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	<title>blog.denker.net &#187; Philosophie</title>
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	<description>Procrastination for Weisenheimers</description>
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		<title>Food is the New Sex &#8211; Naschen am konservativen Kochtopf</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 10:04:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[christlich-konservativer Backlash]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>

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		<description><![CDATA[Kehren die moralischen Regeln, die in der sexuellen Rev [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kehren die moralischen Regeln, die in der sexuellen Revolution mit Recht untergegangen sind, in einem neuen Kleid, nämlich bezogen auf die Ernährung, wieder? Zur Untermauerung dieser These lässt sich viel anführen. Wie es aber nicht geht, zeigt uns Mary Eberstadt in ihrem Essay &#8220;<a href="http://www.hoover.org/publications/policyreview/38245724.html" target="_blank">Is Food the New Sex?</a>&#8221; [in: Policy Review 153 (2009)]:</p>
<p>Eberstadt verbindet in einer historischen Entwicklung die Verhaltensregeln, die die Sexualität reglementiert haben, mit denen, die heute die Ernährung reglementieren. Sie konstruiert dazu zwei typische Fallbeispiele einer Frau aus den 1950er Jahren, die sich nur zu kümmern gehabt hätte, dass das Essen auf den Tisch kommt und deren Sexualität ansonsten auf die monogame heterosexuelle Ehe beschränkt gewesen sei und als zweites Beispiel das einer Frau aus der heutigen Zeit, die Sexuell viel freier wäre, während sie gleichzeitig eine große Zahl von Ernährungsregeln kenne und befolge. Diese Regeln umkreisen die Themen der Gesundheit, d.h. welches Essen in welcher Menge ist als gesund anzusehen und des Umweltschutzes, also welches Nahrung man zu sich nehmen darf, ohne die Umwelt zu schädigen. Beide Fallbeispiele sind trotz ihrer Überzeichnung plausibel.</p>
<p>Gleichwohl versäumt die Autorin es, einen theoretischen Unterbau für ihre Thesen zu liefern. Zwar macht sie einige technikhistorische Andeutungen, dass es der westlichen Zivilisation erstmalig in der Geschichte möglich sei, praktisch allen Mitgliedern der Gesellschaft Nahrung in guter Qualität und in beliebiger Menge zu liefern und dass es erstmalig möglich sei, die Folgen von Sexualität (Krankheiten, Schwangerschaften) durch Kondome und Verhütungsmittel zu kontrollieren, doch bleibt sie dabei in der puren Diagnose stecken und liefert keine Zusammenhänge aus, wieso die Verfügbarkeit von Nahrung und Sex zur Herausbildung einer neuen normativen Ordnung führen solle.</p>
<p>Stattdessen postuliert die Autorin einen Sinn der Moral darin, dass sich Gesellschaften mit ihr gegen ihre eigene Zerstörung schützen wollten. Sie erweist dies jedoch weder theoretisch, noch materiell, sodass sie auch eine Antwort schuldig bleibt, woher Gesellschaft bitte wissen sollen, was sie zerstört. Vielmehr führt sie den Aufstieg der Ernährungsmoral auf eine überzogene(!) sexuelle Revolution zurück, gegen die sich viele nicht wehren könnten und daher zur Formulierung moralischer Vorstellungen gezwungenermaßen auf die Ernährung auswichen. Sie versucht so offenbar, die Vertreter einer wie auch immer gearteten Ernährungsmoral für eine Kritik an der Liberalisierung der Sexualmoral einzunehmen. Dass sie sich dabei jeder theoretischen Überlegung zur Moral und Ethik überhaupt enthält, wird eher dem Risiko, die eigene Position bloßzustellen, als theoretischen Problemen selbst geschuldet sein. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Phänomen eines &#8220;moral shift&#8221; hätte zumindest über einen kurzen Ausflug zu Kant hinaus gehend auch auf Foucault einzugehen gehabt.</p>
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		<title>Implikationen christlicher Todesideologie</title>
		<link>http://blog.denker.net/2009/05/27/implikationen-christlicher-todesideologie/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 23:39:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Christen]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich wundere mich, dass mir nicht früher die bizarren I [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich wundere mich, dass mir nicht früher die bizarren Implikationen christlicher Todesideologie klar geworden sind. Eigentlich ist es es doch mehr als deutlich, was es bedeutet, davon auszugehen, ein Gott richte über jemanden nach dessen Tod, wäge dessen Leben ab und entscheide, ob er zum ewigen Leben gelange oder nicht. Die Seele selbst sei dabei unsterblich und so sehen sich wenigstens alle Gerechten am Ende der Welt zur rechten Gottes wieder und erfreuen sich an den Leiden der Verdammten.</p>
<p>Was wie  ein spleeniger Aberglaube daherkommt und von einigen naiven Neunmalklugen gerade noch als Phantasie zur Tröstung und zur Bewältigung von Todesangst daherkommt, erscheint mir nun, da ich eher aus Unachtsamkeit, denn aus ernsten Interesse auf diese christliche Todesideologie zurückgekommen bin, mit einem politischen Subtext, der zu nichts weniger als zur Rechtfertigung des Mordes geeignet ist:</p>
<p>Da der Mörder im Namen Jesu stets nur den Körper des Opfers auf unterschiedlich grausame Weise töten kann, seine Seele davon aber nach christlicher Lehre unsterblich, also unberührt bleibt, sodass nur Gott sich dieser Seele, was immer das nun genau sei, annehmen kann, ist das Risiko, einen unschuldigen Menschen zu töten oder einen religiösen Mord zu begehen, kein sonderlich großer Skandal mehr. Da Gott nämlich über die Seele das letzte Wort hat und die Erde sowieso ein Jammertal ist, beschleunigt man allenfalls den göttlichen Plan, was gewiss keine außerordentlich große Sünde ist. Aber nicht nur zur unmittelbaren Mordesrechtfertigung, die, zugegeben, schon etwas Akrobatik im Schädel erfordert, sondern auch bei der Rechtfertigung von Tötungen lässt sich die Tröstung der Todesangst ausschlachten.</p>
<p>Da nämlich Brüder im Glauben Menschen töten, ist man als Christ vielleicht geneigt, ein bisschen empört zu sein, aber es besteht kein sonderlich großer Handlungsbedarf: Sicher, der Tod mag unangenehm und ungerechtfertigt sein. Aber man muss sicher auch sehen, wie schwer es ist, dass Religion sich überhaupt einmal weiterentwickelt und also froh sein, dass nicht mehr ganz so viele Menschen wie früher getötet werden. Man kann dann den einen, oder den anderen Protestbrief schreiben und hoffen, dass der Vatikan sich in 300-400 Jahren vielleicht für ergangenes Unrecht entschuldigt. Dass sich die moralische Entrüstung unserer Menschenfreunde, trotz aller kritischen Anmerkungen, etwa bei Hexenprozessen in Grenzen hielt, ist hierfür ein trefflicher Beweis.</p>
<p>Der Tod ist nichts besonderes im Christentum, ist nicht sonderlich zu fürchten. Im Vertrauen auf Gott kann man ruhig sterben und in das neue, ewige Leben gehen (sofern man natürlich brav alle Dogmen geglaubt und alle Regeln eingehalten hat). Der Tod ist eine relativ unbedeutende Etappe.</p>
<p>Vielleicht ist dies der Grund, warum die Christen in den USA so vehement für die Todesstrafe sind?</p>
<p>Wer den Tod für ein verhältnismäßig harmloses Ereignis hält, ist nur noch beschränkt zur moralischen Entrüstung über den Tod in der Lage. Das Tötungsverbot reduziert sich auf einen Ungehorsam gegenüber Gott, dem man das Recht auf die Herrschaft über Leben und Tod bestritten hat. Aus Mord wird Insubordination und Verletzung der Herrschaft eines anderen. Der leibeigenschaftliche Subtext ist gewiss kein Zufall. Wer sich oder einen anderen tötet, begeht keine Sünde, weil er jemanden tötet, sondern weil er  sich die Rolle Gottes anmaßt. Nur Gott ist der Herr über Leben und Tod.</p>
<p>Geschickt, wer den Willen Gottes kennt und behände die göttlichen Tötungsabsichten, die dieser gewiss nur aus ökonomischen oder pflegmatischen Gründen nicht selbst vollzieht, plant und anderen aufträgt. Die mörderische Arbeitsteilung zwischen Kirche und Henker ist bekannt und historisch verbürgt.</p>
<p>In diesem Feld ist es unmöglich, ein Argument gegen den Mord zu finden. Schlimmer noch: Es lassen sich Argumente <em>für</em> den Mord finden. Das Christentum ist, solange es an ein Leben nach dem Tod glaubt, zu einer Ethik, die den Mord wahrhaft und konsequent ausschließt, nicht in der Lage.</p>
<p>Die Ethik aber, die wenigstens potentiell den Mord ausschließt (hierzu ist noch etwas mehr erforderlich), muss das Leben nach dem Tod verneinen. Sie muss das Leben vor dem Tod wertvoll machen, sie muss das Leben radikal bejahen, den Tod radikal verneinen. Sie muss das Leben in einem ganz materialistischen Sinne lieben können. Kurz: Eine solche Ethik muss die Tatsache akzeptieren können, dass unsere Existenz mit unserem Tod gänzlich endet und danach nichts mehr ist als die völlige Negation der Existenz. Nur eine Ethik, die angesichts dieses Endes leben <em>und</em> sterben kann, kann überhaupt eine sein, die ein Argument gegen den Mord gestattet. Ob sie dies dann leistet, ist freilich eine andere Frage.</p>
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		<title>Wege aus dem Wahnsinn</title>
		<link>http://blog.denker.net/2009/05/22/wege-aus-dem-wahnsinn/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 May 2009 17:30:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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		<description><![CDATA[Während meine Blogsoftware diesen Artikel automatisch  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Während meine Blogsoftware diesen Artikel automatisch veröffentlicht, sitze ich hoffentlich im Odenwald auf einer kleinen entspannten Grillfeier und vertilge entweder noch Fleisch oder schon Wasabi-Erbsen, die ich übrigens sehr empfehlen kann. Damit meine Leser, die wohl auf derartige Hülsenfruchtköstlichenkeiten verzichten müssen, nicht gänzlich darben müssen, gibt es hier eine kurze Handreichung, um sich selbst die ganze Lächerlichkeit fanatischer Religiosität klarzumachen:</p>
<p>Ich empfehle dazu harte Kost, nämlich die späte Religionsschrift Immanuel Kants &#8220;Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft&#8221;. Kant hatte diese 1793 (2. Auflage: 1794) veröffentlicht und mit erheblichen Zensurproblemen durch die preußische Regierung zu kämpfen. Vielleicht deshalb ist der Anfang der Schrift recht schwer und scheint zunächst nur das kantische Moralsystem, welches aus der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (GMS, 1785) bekannt war, auf die Religion umzusetzen. Natürlich knüpft Kant hieran an und erfindet das ethische Rad seines Systems nicht neu, aber während die GMS sich noch sehr rein um die systematische Anlage der Ethik (Wie ist so etwas wie ein kategorischer Imperativ überhaupt möglich?) dreht, kommt in der Religionsschrift der Widerstreit von Gut und Böse im Menschen stärker in den Blick. Zwar wird hier durchaus ein kantischer Boden bereitet, aber doch nur, um in den letzten Teilen so richtig vom Leder zu ziehen. Hier einige Kostproben: <em>(langsam lesen!)</em></p>
<blockquote><p>Die Überredung, Wirkungen der Gnade von denen der Natur (der Tugend) unterscheiden, oder die letztern wohl gar in sich hervorbringen zu können, ist <em>Schwärmerei</em>; denn wir können weder einen übersinnlichen Gegenstand in der Erfahrung irgend woran kennen, noch weniger auf ihn Einfluß haben, um ihn zu uns herabzuziehen, wenn gleich sich im Gemüt bisweilen aufs Moralische hinwirkende Bewegungen ereignen, die man sich nicht erklären kann, und von denen unsere Unwissenheit zu gestehen genötigt ist: »der Wind wehet, wohin er will, aber du weißt nicht, woher er kömmt u.s.w.« Himmlische Einflüsse in sich <em>wahrnehmen</em> zu wollen, ist eine Art Wahnsinn, in welchem wohl gar auch Methode sein kann (weil sich jene vermeinte innere Offenbarungen doch immer an moralische, mithin an Vernunftideen anschließen müssen), der aber immer doch eine der Religion nachteilige Selbsttäuschung bleibt. Zu glauben, daß es Gnadenwirkungen geben könne, und vielleicht zu Ergänzung der Unvollkommenheit unserer Tugendbestrebung auch geben müsse, ist alles, was wir davon sagen können; übrigens sind wir unvermögend, etwas in Ansehung ihrer Kennzeichen zu bestimmen, noch mehr aber, zur Hervorbringung derselben etwas zu tun. (Kant-W Bd. 8, S. 846)</p></blockquote>
<p>Dass Kant hier den Wahnsinn, der darin liegt, himmlische Einflüsse in sich wahrnehmen können zu glauben, als eine potentielle Methode ausweist, liegt darin, dass er der Vernunft und ihrer Macht noch vertraut, sodass auch derartige innere Offenbarungen sich an solche Vernunftideen anschließen müssen. Genau gelesen findet man aber, dass <em>eine der Religion nachteilige Selbsttäuschung</em> darin liege, was die Christen, die hier schon Blut und Galle spucken, noch daran erinnern soll, dass es Kant nicht darum geht, die Religion zu vernichten, sondern sie von den üblen Einflüssen des ungezügelten Herumdünkelns zu reinigen und vor diesen in Schutz zu nehmen. Aus heutiger Sicht, da das Zeitalter der Aufklärung in eine üble Barbarei geführt hatte, können wir ein solches Vertrauen weder gegen Vernunft, noch gegen Religion noch aufbringen und müssen, soviel ist klar, Kants Schrift als historischen Text lesen. Gleichwohl müssen wir zugeben, dass er noch heute eine Schlagkraft besitzt, die viele handzahme Religionskritiken vermissen, etwa wenn sie nicht den Mut besitzen, Religion in einem Atemzug mit Wahnsinn zu nennen:</p>
<blockquote><p>Der Wahn, durch religiöse Handlungen des Cultus etwas in Ansehung der Rechtfertigung vor Gott auszurichten, ist der religiöse <em>Aberglaube</em>; so wie der Wahn, dieses durch Bestrebung zu einem vermeintlichen Umgange mit Gott bewirken zu wollen, die religiöse <em>Schwärmerei</em>. – Es ist abergläubischer Wahn, durch Handlungen, die ein jeder Mensch tun kann, ohne daß er eben ein guter Mensch sein darf, Gott wohlgefällig werden zu wollen (z.B. durch Bekenntnis statutarischer Glaubenssätze, durch Beobachtung kirchlicher Observanz und Zucht u.d.g.). Er wird aber darum abergläubisch genannt, weil er sich bloße Naturmittel (nicht moralische) wählt, die zu dem, was nicht Natur ist (d.i. dem sittlich Guten), für sich schlechterdings nichts wirken können. (Kant-W Bd. 8, S. 846-847)</p></blockquote>
<p>Was im 18. Jahrhundert überaus klar war, klingt heute ein bisschen verklausuliert, bedeutet aber noch immer das gleiche: Davon, dass man in die Kirche rennt, irgendwelche Rituale oder Handlungen ausführt, fleissigst betet, beichtet, nasebohrt, ändert man nichts an seiner Rechtfertigung vor Gott &#8211; das kann schließlich auch ein abgrundtief böser Mensch tun. Das ist ein zentraler Punkt der kantischen Religionskritik: Der Gläubige kann seinen Gott nicht in Haft nehmen, ihm eine bestimmte Handlung zu vergelten. Hier findet sich die philosophische Grundierung meiner <a href="http://www.the-distraught-queen.de/2009/05/20/die-wahrheit-uber-die-nachstenliebe/" target="_blank">Wut über die Nächstenliebe</a>, die nämlich nichts anderes tut, als die Aufopferung für andere, die sie vordergründig fordert, durch die Idolatrie Armut, Sünde, Krankheit zu ersetzen, die sie &#8211; dialektisch wie eh und je &#8211; selbst hervorbringt.</p>
<p>Lesen wir genau, so finden wir einen schmalen Grad zwischen diesem Aberglauben, durch Handlungen seinen Gott zwingen zu können und dem Wahn selbst himmlische Einflüsse, also innere Offenbarungen in sich wahrzunehmen. Auf diesem Grad findet sich aber eigentlich nichts weiter, als das Bekenntnis, dass ein Gott wohl sein könnte, dass man es aber nicht wissen könne, dass man diesen nicht zwingen könne und dass jenseits dieses Grades Wahnsinn und Aberglauben liegen. Kant lässt daran keinen Zweifel:</p>
<blockquote><p>Der abergläubische Wahn, weil er ein an sich für manches Subjekt taugliches und diesem zugleich mögliches Mittel, wenigstens den Hindernissen einer Gott wohlgefälligen Gesinnung entgegen zu wirken, enthält, ist doch mit der Vernunft so fern verwandt, und nur zufälliger Weise dadurch, daß er das, was bloß Mittel sein kann, zum unmittelbar Gott wohlgefälligen Gegenstände macht, verwerflich; dagegen ist der schwärmerische Religionswahn der moralische Tod der Vernunft, ohne die doch gar keine Religion, als welche, wie alle Moralität überhaupt, auf Grundsätze gegründet werden muß, statt finden kann. (Kant-W Bd. 8, S. 847)</p></blockquote>
<p>Die Mittel/Zweck-Dialektik, die hier schwingt, bedarf, da aus dem Kontext gerissen, einer kurzen Erklärung: Kant ist streng, was die Rollen von Mittel und Zweck angeht. Zwecke (wie z.B. Menschen) sind Zwecke an sich und dürfen nicht zu bloßen Mitteln werden. Das ist die berühmte Zweck-Formel des kategorischen Imperativs. Andersherum darf man sich aber ein Mittel auch nicht zum Zweck machen, was geschieht, sobald man ein Mittel, Gott wohlgefällig zu sein, zum eigentlich Zweck (hier: &#8220;Gegenstand&#8221;) erhebt.</p>
<p>Der letzte Satz kündigt Kants scharfe Zunge an, die wir jetzt, wo über Zwecke, Mittel, Aberglauben und Wahn gesprochen wurde, erst beginnen, genießen zu können: &#8220;Religionswahn [ist] der moralische Tod der Vernunft&#8221;, mehr noch: Vernunft ist die Voraussetzung für Religion, da ohne sie gar keine solche &#8220;statt finden&#8221; kann. Ganz klar: Zuerst kommt die Vernunft, dann kommt die Moral und schließlich die Religion. Wer an dieser Reihenfolge etwas dreht, ist längst im Religionswahn angekommen.</p>
<p>Das bedeutet aber auch, dass sich die Religion immer der Prüfung durch die Vernunft stellen muss. Für Kant ist das kein Problem: Er vertraut der Vernunft und so muss die wahre Religion, wenn sie also von Gott ist, auch dieser Prüfung gegenüber bestehen können.</p>
<p>Wir müssen, ich schrieb es bereits, heute die Vernunft historisch betrachten und können nicht mehr einfach so der Vernunft alles zutrauen. Der evangelikale Schluss aber, die Prüfung durch die Vernunft aufzugeben, führt geradewegs in den völligen Religionswahn hinein. Der einzige Weg, der angesichts von kantischer Theorie und historischer Vernunftkritik heute noch zu einer Religion führen kann, ist ein so tiefer Zweifel an Vernunft und damit zwingend auch an Religion, dass Religion keinen Moment als dogmatisches System bestehen kann. Dass hierin, gerade für einfache Gemüter, der Absturz ins Gefühl droht, liegt auf der Hand. Das Gefühl ist jedoch wieder nur eine Schwärmerei: singend und tanzend mit einer Gitarre in der Hand auf dem Weg zum evangelischen Kirchentag das Böse verjagen, das einige Meter weiter im Zug nach Marburg sitzt und sich auf die Demo freut&#8230;</p>
<p>Erlauben wir uns nach soviel Mühe, die Religion an der scharfen Zunge des kantischen Geistes entlangzuführen, ein letztes Zitat; diesmal aber nicht philosophisch-formal, sondern materiell-resümierend, um auch den letzten Skeptiker von der Lesbarkeit, Güte und Schärfe dieser späten kantischen Religionsschrift zu überzeugen. Im Abschnitt &#8220;§3 Vom Pfaffentum als einem Regiment im Afterdienst des guten Prinzips&#8221; heißt es:</p>
<blockquote><p>Von einem tungusischen <em>Schaman</em>, bis zu dem Kirche und Staat zugleich regierenden europäischen <em>Prälaten</em>, oder (wollen wir statt der Häupter und Anführer nur auf die Glaubensanhänger nach ihrer eignen Vorstellungsart sehen) zwischen dem ganz sinnlichen <em>Wogulitzen</em>, der die Tatze von einem Bärenfell sich des Morgens auf sein Haupt legt, mit dem kurzen Gebet: »Schlag mich nicht tot!« bis zum sublimierten <em>Puritaner</em> und Independenten in <em>Connecticut</em> ist zwar ein mächtiger Abstand in der <em>Manier</em>, aber nicht im <em>Prinzip</em> zu glauben[.] (Kant-W Bd. 8, S. 848)</p></blockquote>
<p>&#8220;ein mächtiger Abstand in der Manier, aber nicht im Prinzip&#8221; &#8211; Freunde von mir werden bestätigen, dass dies meine liebste Stelle bei Kant ist, an der sich das scharfe Messer seiner Untersuchungen tief in den Blödsinn, den es zu überwinden gilt, hineinschneidet.</p>
<p>Dass das Prinzip des Glaubens bei evangelikalen Gesundbetern sich nicht vom Aberglauben, wie er oben beschrieben ist, unterscheidet, ist völlig klar. Dass aber deren Manier, also ihr Stil, schon ebenso offen zum Wahnsinn übergangen ist, sollte uns erschrecken. Wir können sicher nicht sagen, dass alle Christen geisteskrank sind. Dazu müssten wir schließlich alle untersuchen, aber wir müssen endlich zugeben, dass es Menschen in dieser Gesellschaft gibt, die ihren Wahn, der schon fern aller Realität ist, unter dem Deckmantel der Religion ausleben und die Grenze der Selbst- und Fremdgefährdung überschritten haben. Ich bin der Psychologie gegenüber skeptisch genug, um keine Zwangsbehandlungen oder Verbote zu fordern, aber aufmerksam beobachten und offen aussprechen müssen wir diesen Wahnsinn hingegen schon.</p>
<p>Kant aber zeigt uns, dass es lange vor Dawkins Autoren gab, denen die Gefährlichkeit von Religion klar war und die die Religion unter die Herrschaft der Vernunft gestellt sehen wollten. Kant verflucht nicht die Religion überhaupt, da hat es nach ihm anderen Autoren gegeben, aber er zeigt uns so viel darüber, dass wir mit seiner Hilfe und unserer historischen Erfahrung heute leicht einen Ausweg aus dem Gotteswahn finden können, wenn wir uns in ihm verstrickt haben. Ich hoffe, dass dieser Text für einige noch immer so wirkt.</p>
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		<title>Hoffnungen auf Gewalt erfüllten sich nicht</title>
		<link>http://blog.denker.net/2009/05/21/hoffnungen-auf-gewalt-erfullten-sich-nicht/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 May 2009 17:13:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
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		<description><![CDATA[Glaubte man der fundamentalistisch-christlichen und kle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Glaubte man der fundamentalistisch-christlichen und klerikalfaschistischen Presse der letzten Tage, wäre heute eine &#8220;rote SA&#8221; über Marburg hergefallen und hätte Angriffe auf Teilnehmer des menschenverachtenden APS-Kongresses unternommen. Aber: Etwa 1000 Teilnehmer demonstrierten bunt, friedlich, ausgelassen, wenn auch scharf im Ton, laut und kritisch in der Marburger Innenstadt. Die Hoffnung einiger am Religionswahn erkrankter Christen, man könne sich endlich wieder aus vollem Herzen verfolgt fühlen und das eigene Kreuzopfer mit dem des Herrn vereinen, erfüllten sich nicht, sondern blieben die schädliche Schwärmerei als die Kant sie schon vor über 200 Jahren ausgewiesen hat.</p>
<p>Verbittert mussten die Homo-Heiler und Christenfundis mitansehen, dass die &#8220;totalitären Bestrebungen der Schwulen-Lobby&#8221; sich in friedlichem Protesten entluden. Die einzigen verbohrten Betonköpfe, die zwischen Meinungsfreiheit und dümmlicher Hetze nicht unterscheiden können, finden sich auf der Seite der christlichen Publizistik von braun bis tiefbraun. Das allgemeine Lügenverbot des Christentums halten diese offenbar nur anderen vor, beziehen es aber nicht auf sich. Es zeigt deren widerwärtiges Menschenbild auch für ungeübte Beobachter.</p>
<p>Es konnten ca. 800 Handzettel verteilt werden, die über die gefährlichen Therapiepraktiken der Homo-Heiler und über Heilungsmöglichkeiten bei pathologischem Religionswahn aufklären.</p>
<p>Hinsichtlich des Religionswahns ist eine kurze Episode erwähnenswert, die der Autor vor der Stadthalle im Gespräch mit Teilnehmern des Kongresses erlebte: Einige Christen versuchten unter Darmstädter Philosophie-Studierenden zu missionieren, waren aber offenbar deren Antworten nicht gewachsen. Während sich zwei Frauen in peinlichem Gekicher ergaben, das nur von armseliger Schwärmerei über die &#8220;frohe&#8221; Botschaft ihres Gottes unterbrochen wurde, hatte ich die Gelegenheit mit einem verhältnismäßig vernünftigen Christen (Oxymoron!) zu diskutieren. Er erkundigte sich nach meiner Definition des Religionswahns. Er musste schließlich zugeben, dass Religionswahn ein reales Problem sei und es nicht möglich sei, selbst zu entscheiden, ob man an diesem leide oder nicht.</p>
<p>Er musste ebenso einräumen, dass die Geschichte des Christentums offenkundig voll von übelsten Entladungen des Religionswahns sei und wusste nicht zu erwidern, dass, so Gott sei und er Liebe sei, was vom Autoren nicht geglaubt wird, Gott ja wohl auch dem Menschen, der, aus welchen Gründen auch immer, nicht zum Kontakt mit ihrem Buch oder anderen Menschen gelangen könnte, einen Weg zur Erlösung ermöglichen müsse, womit der Weg zur Erlösung wenigstens nicht einzig in der Bibel zu finden sei. (Dass sich mit Hilfe monistischer Ideen hieraus eine potentielle Satanizität der Bibel konstruieren lässt, sei hier nur erwähnt und dem Leser zur Übung überlassen.) Der Christ konnte nicht widersprechen, dass dies nicht vielleicht in der Vernunft zu finden sei. Er wusste nur auf ein unmittelbares Gottesverhältnis zu verweisen, das er mit einer absurden Theorie über die Existenz Gottes in einer anderen Dimension(sic!) zu erklären hätte. Insofern Gott kein Charakter aus einem schlechten SciFi-Roman sein soll, stellte sich allein die Frage, wie zu einem Gott in einer anderen Dimension zu gelangen oder von diesem zu erfahren sei, so nicht schon eine Verbindung zu dieser Dimension bestünde, womit sich das Dimensionsargument ohnedies erledigt hätte.</p>
<p>Hieraus ist allenfalls zu lernen, dass der Religionswahn in seiner intellektuellen Not auch vor dümmlichsten Anleihen in Esoterik und Populärkultur nicht Halt macht. Nichtsdestotrotz war mit dem Verweis auf ein unmittelbares Gottesverhältnis, das alle empirischen Notwendigkeiten aufzuheben sucht, der eigentliche Kern der religiösen Wahnvorstellung freigelegt: der selbstreferentielle und potentielle gefährliche Eindruck, man stünde selbst in irgendeinem Kontakt mit einem höheren Wesen. Figuren der Geschichte, die auf Basis eines aus solch einer vermeintlichen, metaphysischen Erfahrung entstammten Sendungsbewusstseins, also nichts weniger als einer vernunftfeindlichen Verblendung Millionen von Menschen in den Tod gejagt, Kriege angezettelt und unsägliches Leid über die gesamte Menschheit gebracht haben, sind bekannt und müssen nicht weiter benannt werden.</p>
<p>Es sollte auf eine Dualität aber aufmerksam gemacht werden, die im Religionswahn angelegt ist und die sich durch eine bewusst falsche Lesart der Dialektik der Aufklärung zeigen lässt: So wie die Aufklärung sich dort selbst als Natur erkennen muss, um nicht ständig in Gefahr zu sein, in die Barbarei zu stürzen, muss auch die persönliche religiöse Erfahrung, die der Autor ohne Ausnahme für pathologisch hält, sich als Natur und damit gefährlich erkennen, sich also ihres eigenen Potentials zum Mord bewusst werden. Ein Argument gegen den Mord nämlich lässt sich aus der Vernunft ebensowenig ableiten wie aus der Religion. Die bemühten Einräumungen der Christen, es habe solche &#8220;Fehler&#8221; gegeben, aber es gäbe auch eine &#8220;wahre&#8221; Religion, sind tautologisch und deren unreflektierte Annahme, sei es aus Dummheit, sei es aus bösartigem Vorsatz, ist, wenn auch von einer anderen Art, nicht minder pathologisch als der Religionswahn selbst und meistenfalls nur dessen Begleiterscheinung.</p>
<p>Wie dem auch sei: In der dem Autor von den Zeugen Jehovas bekannten Manier, sich bei drohender argumentativer Niederlage schnell zu entschuldigen, versuchte sich besagter Christ dem philosophischen Verhör zu entziehen, was ihm nach einigen kleineren Bösartigkeiten auch gelangt, nicht aber ohne dem Autoren noch anzutragen, ob er es nicht sei, der etwas verpasse, da er nichts von Gott wisse. Da jedoch der Autor höchstselbst einstmal am Religionswahne erkrankt nur mit größter Mühe und Lektüre sich hieraus zu befreien vermochte, wurde der Versuch des Christen schnell umgedreht und die Vernunft als die Befreierin verkündet, die sie auch ist, sodass aber noch zu hoffen sei, dass schließlich jeder durch die frohe Botschaft der Vernunft befreit werde und dieses Licht, das sich anschickt, ein Paradies auf Erden zu errichten, weiterträgt.</p>
<p>Gestärkt durch die leckeren Speisen des etwas chaotisch organisierten &#8220;Lecker-Ecks&#8221; setzte die Delegation Darmstädter Studierender schließlich die Heimreise an, auf der leider zu lernen war, dass, wenigstens für Sportstudenten, die Teilnahme an Kundgebungen gegen Sexismus und dümmliche Machosprüche über alternative Frauenwohnformen keine unvereinbaren Widersprüche darstellen.</p>
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		<title>Philosophischer Fundamentalismus</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Jan 2009 13:38:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krudes]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Fundamentalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Man lernt doch nie aus. Heute habe ich herausgefunden,  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man lernt doch nie aus. Heute habe ich herausgefunden, dass vernünftiges und klares Denken, das auf die Möglichkeiten des Denkens überhaupt zu reflektieren sucht, fundamentalistisch ist:</p>
<blockquote><p>Er: gut, verlassen wir in diesem gedankenspiel das universum&#8230; dan habe ich diese zwei möglichkeiten oder?</p>
<p>Ich: ich kann an diesem gedankenspiel nicht teilnehmen</p>
<p>Er: warum nicht?</p>
<p>Ich: weil ich mich nicht ohne universum denken kann. ich kann auch keinen raum außerhalb des raums überhaupt denken. vulgär: es gibt keinen ort, an dem man an keinem ort ist</p>
<p>Er: ^^ es ist für mich immer genau so ein vergnügen mit einem philosophischen fundamentalisten zu reden wie wie mit einem christlichen, danke für den erheiternden einstieg in den moregen</p></blockquote>
<p>Wenn ich dann aber an den Begriff &#8220;<a href="http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Fundamentalphilosophie" target="_blank">Fundamentalphilosophie</a>&#8221; denke, dann verstehe ich den Vorwurf schon&#8230; auch wenn es dann ja eigentlich ein Lob ist!</p>
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		<title>Pharmazeutische Gerüchte</title>
		<link>http://blog.denker.net/2009/01/21/pharmazeutische-geruechte/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Jan 2009 10:13:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Rant]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Gott & Co.]]></category>
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		<description><![CDATA[Angeblich arbeitet der Pharmamulti LogosSan an einem Me [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.the-distraught-queen.de/ratiomed.jpg" alt="" width="450" height="203" />Angeblich arbeitet der Pharmamulti <em>LogosSan</em> an einem Medikament zur Behandlung religiöser Wahnvorstellungen. Das Mittel, das unter dem Namen &#8220;atheisium&#8221; auf den Markt kommen soll, enthält das hochwirksame Antimetaphysikum Illuminafin. Es dämpft die Funktionsweise einer chemischen Wirkungskette in älteren Gehirnschichten, die Störungen in der Signalverarbeitung der Hirnrinde auslösen kann. Insbesondere im parietalen Assoziationskortex können verschiedene Störungen ausgelöst werden, zum Beispiel:</p>
<ul>
<li>Wahrnehmung eines Raums hinter dem Raum (Störung der räumlichen Orientierung)</li>
<li>Religionswahn, Sprechen in Zungen (Störung der Sprachbildung)</li>
<li>unberechtigte Bedeutungszuschreibung z.B. zu &#8220;Gott&#8221;, &#8220;Sünde&#8221;, &#8220;Schöpfung&#8221; (Störung der lexikalischen Sprachfähigkeit)</li>
<li>Logische Beweislastumkehr (Störung des formal-logischen Denkens)</li>
</ul>
<p>Auch im limbischen Assoziationskortex finden sich Störungen von Funktionen wie der Zuordnung von Sinneseindrücken zu Personen, etwa indem zunächst unverständliche oder überraschende Phänomene dem Einfluss eines durch die Störung der lexikalischen Sprachfähigkeit herbeiphantasierten Wesens zugeschrieben werden.</p>
<p>Der Hersteller verspricht sich von seinem neuen Medikament eine große Erleichterung für die Betroffenen. Die unter dem Begriff der Religiösität (ICD10: F22.0, F60.2-4, F60.7, F66.0) gefasste multimorbide und stets degenerative Erkrankung führt langfristig zu einer völligen Entfremdung des Betroffenen von der Gesellschaft. Gleichwohl neigen die Betroffenen zur Gruppenbildung, versammeln sich regelmäßig und bemühen sich, die Inhalte ihrer Wahnstörung untereinander anzugleichen. Historische Langzeitbeobachtungen haben dabei gezeigt, dass sie dabei zunehmend zu Gewalt untereinander und gegen Fremde neigen und ein kompliziertes System von Kapitalflüssen entwickeln, was Außenstehende oft für sich zum Vorteil nutzen können (Ablasshandel, Kirchensteuer).</p>
<p>Als Problematisch gilt, dass die Betroffenengruppen ab einer bestimmten Größe zu systematischer Gewalt gegenüber von ihnen als Fremd empfundenen Menschen neigen und so nach der Beseitigung staatlicher Schutzvorschriften oder Gewaltmonopole in ihrem eigenen Interesse fordern. Zunehmend ist auch von Selbstjustiz und endemischem Querulantenwahn (F22.8) berichtet worden.</p>
<p><em>PS: Danke an Hartmut für ein Bild der Produktverpackung.</em></p>
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		<title>Religionskritische Feststellungen</title>
		<link>http://blog.denker.net/2009/01/13/religionskritische-feststellungen/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Jan 2009 09:49:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Argumentationstheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Christen]]></category>
		<category><![CDATA[Dummheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich stolperte über folgende Aussage:
Wenn im Namen de [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stolperte über folgende Aussage:</p>
<blockquote><p>Wenn im Namen der Religion dann doch massenhaft gemordet wird, ist dies nicht die &#8220;Schuld&#8221; der Religion, sondern liegt in der Verantwortung derer, die sie pervertiert haben.</p></blockquote>
<p>Dies veranlasst mich zu zwei Feststellungen:</p>
<ol>
<li>Die unhöfliche Feststellung lautet: Wer diese Aussage ernsthaft für ein Argument hält, ist eine unglaublich verblödete Kackbratze, die sich soweit von Aufklärung und billigem Vernunftgebrauch entfernt hat, dass eine Diskussion mit so einer Person nicht lohnt. Ich bitte solche Leute, an dieser Stelle mein Blog zu verlassen und nicht zurückzukehren. (Ja, ich wiederhole mich damit, aber ich habe keine Lust mehr, mit solchen Leute noch ein Wort zu wechseln.)</li>
<li>Die höfliche Feststellung lautet: Die Aussage kann kein Argument sein, da sie keine überprüfbare Aussage enthält. Nehmen wir zur Untersuchung also die durch die Aussage beantwortete Frage, ob Religion etwas Schlechtes ist oder nicht. Die Aussage verneint dies mit einem perfiden Trick, der aufgrund seiner penetranten Gemeinplatzigkeit nicht gleich auffällt. Probieren wir erst, aus didaktischen Gründen, eine materiale Untersuchung! Die Aussage verfährt nach dem Schema &#8220;Wenn von X etwas Schlechtes kommt, dann ist es in Wahrheit nicht X, sondern es ist Y.&#8221; Für X können nun beliebige Gegenstände eingesetzt werden, die verteidigt werden sollen, solange Y etwas ist, dem man irgendwie eine Beschädigung von X anlasten kann. Ich gebe einige Beispiele als Begriffspaare (X,Y) an: (&#8220;Kommunismus&#8221;, &#8220;seine schlechte Umsetzung&#8221;), (&#8220;Faschismus&#8221;, &#8220;Hitler wurde betrogen&#8221;), (&#8220;Kapitalismus&#8221;, &#8220;Versagen des Staates beim Markteingriff&#8221;), (&#8220;Freiheit&#8221;, &#8220;Verantwortungslosigkeit einzelner&#8221;), usw. &#8211; Die Liste ließe sich fortsetzen, aber materialiter ist das Schema nun bekannt. Es ist damit auch klar, dass das oben aktualisierte Begriffspaar (&#8220;Religion&#8221;, &#8220;Pervertierung durch Einzelne&#8221;) ebenfalls in diese Liste gehört. Wir haben nun gesehen, dass das Schema anscheinend beliebig zur Verteidigung von Gegenständen, die für X eingesetzt werden, herangezogen werden kann. Betrachten wir das Schema daher noch einmal formal: Insofern das Schema vordergründig den Vorwurf an X, daraus entstamme etwas Schlechtes, zurückweist, spricht es X nur mühsam versteckt die Fähigkeit zum Schlechten überhaupt ab: &#8220;<em>Wenn</em> von X etwas schlechtes kommt, <em>dann</em> ist es in Wahrheit nicht X, sondern es ist Y.&#8221; Das heißt nichts weniger als, dass von X <em>selbst</em> überhaupt nichts Schlechtes kommen <em>kann</em>. Das Schema versucht also sein X gegen jeden weiteren Angriff abzusichern. Führt man neben den Massenmorden nun etwa die Unterdrückung von Frauen bei der für X eingesetzten Religion an, kann das Schema einfach erfolgreich wiederholt werden. Man hat bereits alles, was als Angriff auf X ausgelegt werden kann, schon auf Y verwiesen und erklärt, dass jeder, der jetzt noch versuche, sich mit der ursprünglichen Frage, ob X etwas schlechtes ist, befasst, der Verwechselung von X und Y erliege. Gleichwohl ist damit die Überprüfung der Aussage ausgeschlossen: Um sie zu widerlegen, müsste man zeigen, dass von X <em>selbst</em> etwas Schlechtes kommt. Auf jeden dieser Versuche pariert das Schema aber wieder mit sich selbst und erklärt, man hätte erneut die beanstandete Verwechselung vorgenommen. Somit bestätigt sich das Schema durch jeden Angriff selbst und eignet sich daher auch vorzüglich für den Selbstbetrug. Gleichfalls ist es damit kein Argument mehr, sondern es ist ein unredlicher Argumentationstrick mit dem Fundamentalisten ihre widerlichen Gedankenwelten spinnen können. Erfahrungsgemäß hilft es wenig, das Schema klar zu machen und auf die hier vorgeführte Art und Weise zu analysieren. Meine Misdiskutanden reagierten darauf zwar meistens aggressiv oder weinerlich, waren aber gleichwohl nicht bereit, ihre eigene Aussage zu überprüfen. Zu tief sitzt man wohl im Quark der Selbstreferenz, aus dessen Perspektive mein Einwand wie das Krakele einer &#8220;intoleranten&#8221; &#8220;Tunte&#8221; erscheinen muss.</li>
</ol>
<p>Ich stehe also vor dem Problem, keine Idee zu haben, wie man diesem auf zwei Ebenen gleichzeitig operierenden Schema geschickt parieren könnte. Der Verwender des Schemas ist sicher nicht mehr zu überzeugen. Er hat sich bereits weit von der Vernunft weg in ein Dunkel verirrt, als dass klare Einwände noch etwas erreichen könnten. Die Analyse hier taugt wohl allenfalls dazu, den eigenen Verstand nicht zu verlieren, wenn man mit Fundamentalisten diskutiert und sich selbst seiner Vernunft zu versichern. In Zeiten wie diesen, in denen derartige Dummheiten von erwachsenen Menschen offenbar massenhaft geglaubt werden, ist dies wohl schon sehr viel und mehr als man verlangen kann.</p>
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		<title>Nachwuchstagung</title>
		<link>http://blog.denker.net/2008/12/08/nachwuchstagung/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 10:47:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die zuständige Kommission hat uns heute Geldmittel fü [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die zuständige Kommission hat uns heute Geldmittel für eine Nachwuchstagung Philosophie im August 2009 an der TU-Darmstadt bewilligt. Ein großer Sieg für die Fachschaft! Wir können jetzt loslegen. <img src='http://blog.denker.net/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Nietzsche, der alte Nicht-Nazi&#8230;</title>
		<link>http://blog.denker.net/2008/07/11/nietzsche-der-alte-nicht-nazi/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Jul 2008 20:28:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Freund wollte mal wieder über Nietzsche reden und  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Freund wollte mal wieder über Nietzsche reden und stört sich an Nietzsche radikaler Rhetorik, die davon spreche, dass man missratene Menschen vernichten solle, dass der Übermensch sich erheben solle und so fort. Diese Debatte ist ja so alt wie die Nachlassfälscherei von Nietzsches Schwester und eigentlich ist es viel zu langweilig, darüber noch zu berichten.</p>
<p>Eigentlich. Eigentlich will ich aber auch gar nicht über meinen Bekannten und seine Nietzsche-Deutung reden. Ich habe ihn aber zum Anlass genommen, den Nietzsche wieder zur Hand zu nehmen und schmökerte gestern Abend etwas herum. Der Antichrist (&#8220;Fluch auf das Christentum&#8221;) war meine Bettlektüre, die ich schon leicht alkoholisiert genoss, bevor ich schließlich in einen schweren Schlaf fiel.</p>
<p>Ich schlafe bei offenem Fenster und als heute morgen gegen 6:00 ein kleines Gewitter über Darmstadt stattfand, erwachte ich von einem besonders lauten Donner, dessen Blitz sich in großer Nähe ereignet haben musste. Ich muss gerade von Nietzsche geträumt haben, denn der Donner kam mir als Zorn Nietzsches zu Bewusstsein. Nicht als ein Ärger irgendeines Gottes, wie man im Klischee vielleicht vermuten könnte, sondern ich hatte zunächst tatsächlich den Eindruck, Nietzsche poltere von oben herab &#8211; kann man atheistischer sein?</p>
<p><em>PS: Mich amüsiert diese Episode insbesondere deshalb, da eine Freundin und Kommilitonin, die eine Prüfung zu Nietzsche vorbereitete, plötzlich nachts aus dem Schlaf hochschreckte innerlich ausrufend: &#8220;Wahhh! Nietzsche!&#8221; &#8211; Offenbar hat Nietzsche nicht nur auf mich diese Wirkung&#8230;</em></p>
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		<title>Kurzkritik: Kant reloaded</title>
		<link>http://blog.denker.net/2008/06/29/kurzkritik-kant-reloaded/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Jun 2008 11:22:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Kant]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerade flimmerte eine Sendung namens "Kant reloaded" (3 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade flimmerte eine Sendung namens &#8220;Kant reloaded&#8221; (3sat) über meinen Bildschirm. In der sehr modern anmutenden und eigentlich nur dem optischen Zeitgeist ergebenen Sendung wurde der Frömmelei der Eltern Kants etwas Raum gegeben, der theoretischen Philosophie Kants kaum, der praktischen Philosophie einiges an Raum. Kein Wort aber verlor die Sendung über Kants späte Religionsschrift, die ihm ein Lehrverbot einbrachte und die ganze Schärfe der kantischen Philosophie an einem beliebten Streitthema durchdekliniert. Ich war ein wenig enttäuscht und wunderte mich, wieso man eine so schöne Blüte des kantischen Schrifttums einfach überginge.</p>
<p>Am Ende der Sendung wurde mir alles erklärt:</p>
<blockquote><p>Redaktion: Gert Scobel</p></blockquote>
<p>Demnächst sollte ich vielleicht eine Sendung über die katholische Kirche moderieren. Das wäre dann ähnlich objektiv. Denn wie Wikipedia <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Scobel" target="_blank">schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>Scobel studierte Philosophie und katholische Theologie an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main, wo er 1983 das Diplom ablegte [...].</p></blockquote>
<p>Wenn man einen Teich trocken legen will, sollte man nicht die Frösche fragen.</p>
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