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	<title>blog.denker.net &#187; Religion</title>
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		<title>Der ganzen Christenheit reicher Gnadensegen</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 08:21:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Christen]]></category>
		<category><![CDATA[Katholizismus]]></category>
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		<description><![CDATA[In den ersten März-Tagen des Jahres 1933, also vor 77  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den ersten März-Tagen des Jahres 1933, also vor 77 Jahren, erlebte die Republik Österreich eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstausschaltung_des_Parlaments" target="_blank">Parlamentskrise</a>, die die Regierung unter dem Kanzler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Engelbert_Dollfu%C3%9F" target="_blank">Engelbert Dollfuß</a> zur Beseitigung der Demokratie und zur Installation eines am faschistischen Italien orientierten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A4ndestaat_%28%C3%96sterreich%29" target="_blank">Ständestaates</a> nutzte (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Austrofaschismus" target="_blank">Austrofaschismus</a>). Mit der Mai-Verfassung vom 1. Mai 1933, die nicht rechtmäßig zustande kam, wurden schließlich demokratische Elemente weitgehend beseitigt.</p>
<p>Während aber bei der etwa zeitgleichen Installation des deutschen Faschismus die katholische Kirche keine große Rolle spielte, sah dies im katholischen Österreich anders aus. So heißt es im Weihnachtsbrief der österreichischen Bischöfe von 1933:</p>
<blockquote><p>Das Jahr 1933 hat der ganzen Christenheit reichen Gnadensegen, unserem Vaterland Österreich überdies viele Freuden gebracht […]. Sie (die Regierung, Anm.) kann schon jetzt auf eine Reihe von segensreichen Taten hinweisen, die das wahre Wohl sichern und fördern[.] [zit. nach Wolfgang Huber <em>Die Gegenreformation 1933/34</em> in <em>Neuhäuser</em>, 2004, S. 47], hier zit. nach [<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Austrofaschismus" target="_blank">1</a>]</p></blockquote>
<p>Der Katholikentag im Oktober 1933 flankierte den katholischen Jubel mit dem Motto &#8220;Niemals zurück&#8221; und am 16. August 1933 schl0ß Österreich mit dem heiligen Stuhl ein Konkordat, das unter anderem den Austritt aus der Kirche erschwerte, indem es den Austrittswilligen eine Prüfung des &#8220;Geistes- und Gemütszustands&#8221; auferlegt.</p>
<p>Und sogar der Piux XI., der ebenso wie sein Nachfolger Pius XII. durch Schweigen zum Nationalsozialismus aufgefallen ist, erteilte Dollfuß den apostolischen Segen. Schon im Oktober 1933 nannte genannter Pius XI. die Diktaturregierung Dollfußens eine von:<em> &#8220;</em><em>vornehmen Männern, die Österreich in dieser Zeit, in diesen Tagen regieren, die Österreich so gut, so entschieden, so christlich regieren&#8221;</em> [Ebd.] Zwar ist richtig, dass sich Puis XI. mit der Enzyklika &#8220;Mit brennender Sorge&#8221; 1937 vom deutschen Faschismus distanzierte, aber angesichts seiner ebenso brennenden Zustimmung für den Austrofaschismus lässt sich wohl nur feststellen, dass die &#8220;brennende&#8221; Sorge weniger dem Faschismus, als vielmehr dem Verhältnis der jeweiligen Faschisten zu seiner Kirche galt.</p>
<p>Die Pontifikate kamen und gingen über die Jahrhunderte, aber dieses ist eine der wenigen historischen Konstanten, die insbesondere auf die katholische Kirche zutreffen: <em>Egal was für ein Schwein der Andere ist, solange er Deine Macht hofiert und Dir den Arsch leckt, ist er Dein Freund.</em> &#8211; Nicht auszudenken, wenn der Stalinismus ein klerikales Regime gewesen wäre! &#8211; Wie dem auch sei: Für einen Historiker ist diese Diagnose trivial und wenig überraschend, dem kirchenkritischen Beobachter zeigt sich nur wieder einmal, wie wenig Platz für Moral in der katholischen Kirche ist: <em>Wäre das Christentum, von einigen wenigen Irren einmal abgesehen, wirklich aus moralisch integeren Menschen, hätte die christliche Lehre tatsächlich irgendeinen moralisch-ethischen Gehalt, wäre die Geschichte vielleicht nicht im Großen und Ganzen, aber doch in unzähligen Nebenschauplätzen anders verlaufen.</em></p>
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		<title>Petitionsidee</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 15:07:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Kindesmissbrauch]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich überlege gerade, ob eine Petition beim Bundestag e [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich überlege gerade, ob eine Petition beim Bundestag ein bisschen Öffentlichkeit verursachen könnte. Wie wäre es denn, wenn man den Gesetzgeber aufforderte, ein Gesetz zu erlassen, dass private und öffentliche Körperschaften, die Kindesmissbrauch ihre hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht den Strafverfolgungsbehörden zur Kenntnis geben, keine Gelder aus Steuermitteln mehr erhalten dürfen.</p>
<p>Es ist nämlich so, dass die Amtskirche auch neben der Kirchensteuer massig Geld aus dem Staatssäckel kassiert.</p>
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		<title>Maischberger schnüffelt an der Mülltonne</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 12:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rant]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Christen]]></category>
		<category><![CDATA[Kindesmissbrauch]]></category>

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		<description><![CDATA[OH MEINE GÖTTIN!

Hat jemand Maischberger am Diensta [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>OH MEINE GÖTTIN!</p>
<p>Hat jemand Maischberger am Dienstag gesehen? Ich hatte besseres zu tun, habe aber gerade den <a href="http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,682701,00.html" target="_blank">Spiegel-Artikel</a> zu der Sendung gefunden &#8211; und was muss ich lesen?</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich will einen kleinen Zwischenruf machen&#8221;, sagt der <strong>Salzburger Weihbischof Andreas Laun</strong>, aber Maischberger lässt es nicht zu, dass er Wittenbrink unterbricht, noch nicht, erst darf der Musiker noch in Ruhe die Kopfnüsse und die eingerissenen Ohren beschreiben, die er als Kind in Regensburg erlebt hat, dann kommt der Bischof zu Wort. Und erzählt von seinem Vater. Der habe ihn ja auch geschlagen. Gewalt in der Erziehung habe eine lange Geschichte, die habe es nicht nur in der Kirche gegeben. So sieht das auch die Schriftstellerin <strong>Gabriele Kuby</strong>. Sie trauert um die Kirche, sagt sie. Denn die Kirche habe doch eine wunderbare Botschaft zu verkünden von der Liebe Gottes, die werde jetzt ja völlig verdeckt. Missbrauch gebe es überall, in der ganzen Gesellschaft, das sei kein kirchliches Problem.</p></blockquote>
<p>Sag mal, Sandra, geht&#8217;s noch? Willst Du wirklich jedes Niveau unterbieten? Du bist ja nicht gerade bekannt dafür, nur auf höchstem Niveau zu diskutieren, aber mussten die Hetzer Laun und Kuby wirklich sein? Reicht es denn nicht, dass sich Laun und Kuby schon im Netz als obsessive Homo-Hasser dartun, die allem, was nicht in ihr klerikal-faschistoides Weltbild passt, demokratische Grundrechte absprechen? Muss man wirklich solche einschlägig bekannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Crackpot" target="_blank">Crackpots</a> auch noch ins Fernsehen lassen? Reicht es denn nicht aus, dass perverse Katholiken Kinder missbraucht und misshandelt haben und der Rechtsstaat qua Verjährungsfristen der menschenverachtenden Vertuschungsmaschinerie der Kirche auch noch weitgehend machtlos gegenüber steht? Muss man auf deren Schicksal auch noch von Laun und Kuby herumtrampeln lassen?</p>
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		<title>Die objektive Ordnung</title>
		<link>http://blog.denker.net/2010/03/04/die-objektive-ordnung/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 16:04:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Samstag wird ja nun meine Nichte zweiten Grades nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Samstag wird ja nun meine Nichte zweiten Grades nach katholischem Ritus getauft. Ich wurde eingeladen und habe aus einer Laune heraus zu gesagt.</p>
<p>Ich kann Religion zwar nicht leiden, habe aber um des Familienfriedenswillen meistens gute Miene zum bösen Spiel gemacht, auch als bei einer Hochzeit der Pfaff etwas von Mann und Frau und natürliche Ordnung etc. schwafelte. (Die Predigt war ohnedies unglaublich dämlich: Die Hochzeit fand nämlich am Tag von Köhlers Wiederwahl durch die Bundesversammlung statt und dieser bekloppte Pfaffe hat es tatsächlich für nötig gehalten, darüber zu sprechen.)</p>
<p>Ich bin nun gespannt, ob sich die katholische Ejakulationsboykott-Queen am Samstag wieder zu einem dummen Kommentar über die natürliche Ordnung der Welt herab lässt. Sollte das der Fall sein, ist der Kommentar, ob Jesuiten-Schwengel in Knabenärschen auch der natürlichen Ordnung entsprechen, schon zurecht gelegt.</p>
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		<title>Food is the New Sex &#8211; Naschen am konservativen Kochtopf</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 10:04:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[christlich-konservativer Backlash]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>

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		<description><![CDATA[Kehren die moralischen Regeln, die in der sexuellen Rev [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kehren die moralischen Regeln, die in der sexuellen Revolution mit Recht untergegangen sind, in einem neuen Kleid, nämlich bezogen auf die Ernährung, wieder? Zur Untermauerung dieser These lässt sich viel anführen. Wie es aber nicht geht, zeigt uns Mary Eberstadt in ihrem Essay &#8220;<a href="http://www.hoover.org/publications/policyreview/38245724.html" target="_blank">Is Food the New Sex?</a>&#8221; [in: Policy Review 153 (2009)]:</p>
<p>Eberstadt verbindet in einer historischen Entwicklung die Verhaltensregeln, die die Sexualität reglementiert haben, mit denen, die heute die Ernährung reglementieren. Sie konstruiert dazu zwei typische Fallbeispiele einer Frau aus den 1950er Jahren, die sich nur zu kümmern gehabt hätte, dass das Essen auf den Tisch kommt und deren Sexualität ansonsten auf die monogame heterosexuelle Ehe beschränkt gewesen sei und als zweites Beispiel das einer Frau aus der heutigen Zeit, die Sexuell viel freier wäre, während sie gleichzeitig eine große Zahl von Ernährungsregeln kenne und befolge. Diese Regeln umkreisen die Themen der Gesundheit, d.h. welches Essen in welcher Menge ist als gesund anzusehen und des Umweltschutzes, also welches Nahrung man zu sich nehmen darf, ohne die Umwelt zu schädigen. Beide Fallbeispiele sind trotz ihrer Überzeichnung plausibel.</p>
<p>Gleichwohl versäumt die Autorin es, einen theoretischen Unterbau für ihre Thesen zu liefern. Zwar macht sie einige technikhistorische Andeutungen, dass es der westlichen Zivilisation erstmalig in der Geschichte möglich sei, praktisch allen Mitgliedern der Gesellschaft Nahrung in guter Qualität und in beliebiger Menge zu liefern und dass es erstmalig möglich sei, die Folgen von Sexualität (Krankheiten, Schwangerschaften) durch Kondome und Verhütungsmittel zu kontrollieren, doch bleibt sie dabei in der puren Diagnose stecken und liefert keine Zusammenhänge aus, wieso die Verfügbarkeit von Nahrung und Sex zur Herausbildung einer neuen normativen Ordnung führen solle.</p>
<p>Stattdessen postuliert die Autorin einen Sinn der Moral darin, dass sich Gesellschaften mit ihr gegen ihre eigene Zerstörung schützen wollten. Sie erweist dies jedoch weder theoretisch, noch materiell, sodass sie auch eine Antwort schuldig bleibt, woher Gesellschaft bitte wissen sollen, was sie zerstört. Vielmehr führt sie den Aufstieg der Ernährungsmoral auf eine überzogene(!) sexuelle Revolution zurück, gegen die sich viele nicht wehren könnten und daher zur Formulierung moralischer Vorstellungen gezwungenermaßen auf die Ernährung auswichen. Sie versucht so offenbar, die Vertreter einer wie auch immer gearteten Ernährungsmoral für eine Kritik an der Liberalisierung der Sexualmoral einzunehmen. Dass sie sich dabei jeder theoretischen Überlegung zur Moral und Ethik überhaupt enthält, wird eher dem Risiko, die eigene Position bloßzustellen, als theoretischen Problemen selbst geschuldet sein. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Phänomen eines &#8220;moral shift&#8221; hätte zumindest über einen kurzen Ausflug zu Kant hinaus gehend auch auf Foucault einzugehen gehabt.</p>
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		<title>Putting Faith in its Place</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 15:19:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[
PS: ...so viel zu tun, so wenig Zeit... [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/5wV_REEdvxo&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/5wV_REEdvxo&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>
<p><i>PS: &#8230;so viel zu tun, so wenig Zeit&#8230;</i></p>
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		<title>Interview mit Ursula von der Leyen: Bin Sachkompetent!</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 07:29:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach vielen Anfeindungen und Zweifeln über ihre Sachko [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach vielen Anfeindungen und Zweifeln über ihre Sachkompetenz in den letzten Monaten stellt sich Ministerin von der Leyen exklusiv diesem Blog und beweist, dass sie sich intensiv mit den technischen Eigenschaften des Internets auseinandergesetzt hat. Ihr wichtigstes Ziel bleibt aber der Schutz der Kinder.<br />
</strong></p>
<p><strong>TDQ:</strong> Frau Ministerin, in den letzten Monaten sind Sie aus der Netzgemeinde stark angefeindet worden. Hintergrund ist das Zugangserschwernisgesetz. Man warf Ihnen vor, Symbolpolitik zu betreiben, die kein Kind schütze, eine Zensurinfrastruktur aufzubauen und nichts von der Internet-Technik zu verstehen. Was antworten Sie diesen Leuten?</p>
<p><strong>vdL:</strong> Ich fände es sehr bedauernswert, wenn pauschal der Eindruck entstanden sein sollte, die unsachliche Kritik einiger schwerst Pädokrimineller an meiner Politik würde von der breiten Mehrheit der Internet-Nutzer getragen werden. Andererseits betrachte ich es als Beweis für den Nutzen des Zugangserschwernisgesetzes, dass so viele schwerst Pädokriminelle mit lauten Unterstellungen um sich werfen.</p>
<p><strong>TDQ:</strong> Nun sind Sie, Frau Ministerin, approbierte Ärztin und keine EDV-Fachfrau. Wie kommt es, dass Sie sich dennoch in den technischen Fragen so gut auskennen?</p>
<p><strong>vdL:</strong> Zunächst einmal habe ich ganz hervorragende Mitarbeiterinnen in meinem Ministerium, die sich gründlich mit der ganzen Materie auseinandergesetzt haben. Dann bin ich eine leidenschaftliche Leserin der &#8220;Computer-Emma&#8221; und natürlich haben die großen Rechteverwertungsgesellschaften und das Innenministerium uns bei der Entwicklung des Zugangserschwernisgesetzes zugearbeitet.</p>
<p><strong>TDQ:</strong> Ist das Zugangserschwernisgesetz aus Ihrer Sicht das Ende eines Gesetzgebungsprozesses oder nur ein erster Schritt bei der Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet?</p>
<p><strong>vdL:</strong> Sie müssen das Gesetz in einem größeren Zusammenhang sehen. Das Internet, so toll diese Technologie auch ist, ist voller Schmutz. Würde dieser Schmutz in unseren Innenstädten herumliegen, würde jeder sofort fordern, dass er beseitigt wird. Wir haben gesagt: Wir müssen das Internet sauberer machen. Kinderpornographie ist das größte Problem. Das ist ein Milliardenmarkt, der sogar von der Finanzkrise unbehelligt weiter wächst. Jeden Tag werden allein in Deutschland eine Millionen Kinder missbraucht und deren Missbrauch wird im Internet flächendeckend dokumentiert. Wir haben hier dringenden Handlungsbedarf gesehen. Dabei können wir aber nicht stehen bleiben. Im Internet gibt es zahlreiche schwere Verbrechen, die wir dringend in der nächsten Legislaturperiode angehen wollen. Es gibt da kostenlose Pornographie, Regierungskritik, unüberwachte Chat-Räume, verschlüsselte Kommunikation und ganz besonders schlimme Urheberrechtsverletzungen. Wir wollen nicht, dass schwerst Urheberkriminelle die Kreativität anderer Menschen ermorden.</p>
<p><strong>TDQ:</strong> Bleiben wir kurz einmal bei der Pornographie. Sie wollen also über die Bekämpfung von Kinderpornographie hinausgehen?</p>
<p><strong>vdL:</strong> Ja, definitiv. Sehen Sie, zunächst einmal entspricht Pornographie nicht unseren abendländisch-christlichen Werten. Wir von der CDU lehnen Pornographie ab und fordern ein sauberes Internet. Dann ist diese Pornographie zwar da, aber steht auf ausländischen Servern. Beispielsweise in den Niederlanden. Das ist ein, was das Internet angeht, hochkompetentes Land, aber dort ist es völlig legal, Kindern Pornographie kostenlos zur Verfügung zu stellen. Da kommen Sie mit Löschungen nicht weiter, sondern man muss hier mit Sperren arbeiten. Hierzu wollen wir aber auch den Straftatbestand der Kinderpornographie erweitern. Zukünftig soll Kinderpornographie nicht mehr nur der dokumentierte Missbrauch von Kindern sein, sondern auch Pornographie für Kinder umfassen. Wer also Pornographie Kindern zugänglich macht, soll ebenso hart bestraft werden, wie jemand, der Kinder missbraucht. Viele andere Länder sind in der Gesetzgebung noch nicht so weit. In vielen Ländern werden Kinder sogar in der Schule im Biologie-Unterricht mit Pornographie konfrontiert.</p>
<p><strong>TDQ:</strong> Sie meinen sicher die Sexualaufklärung? Wie gehen Sie bei Ihren Kindern damit um?</p>
<p><strong>vdL:</strong> Ich finde es schlimm, Kinder unter dem Deckmantel einer vermeintlichen Aufklärung mit pornographischen Darstellungen in Schulbüchern zu konfrontieren. Lehrer schleichen sich hier unter der Vorspielung falscher Absichten in Klassenräume ein und verstören die Kinder. Ich will, dass Kinder, bis sie erwachsen sind, Kinder sein können und sich nicht mit diesem Schmutz auseinandersetzen müssen. Sie nehmen Schaden an der Seele und leiden ein Leben lang. Dies führt zu frühkindlicher Sexualität, z.B. haben heute schon immer mehr 16jährige Geschlechtsverkehr, und es kommt zu ungewollten Schwangerschaften. In England, wo Sexualaufklärung praktisch unbekannt ist, gibt es so gut wie keine Teenagerschwangerschaften.</p>
<p><strong>TDQ:</strong> Die Frage zielt aber darauf, wie Sie es bei Ihren Kindern handhaben.</p>
<p><strong>vdL:</strong> Ich habe meinen Kindern gesagt, dass Sexualität etwas ist, das nur für die christliche Ehe vorgesehen ist und schreibe ihnen für den Biologie-Unterricht Entschuldigungen. Leider hat der Bund keine Gesetzgebungskompetenz, um den Eltern die Herausnahme der Kinder aus diesen Schulen zu ermöglichen. Da besteht im Interesse der Kinder dringender Handlungsbedarf. Als mein ältester Sohn mit der Selbstbefriedigung angefangen hat, habe ich mit ihm besprochen, dass er ab sofort mit den Händen über der Bettdecke schläft. Mein Mann und ich wechseln uns dabei ab, das zu kontrollieren.</p>
<p><strong>TDQ:</strong> Wollen Sie die wenig effektiven DNS-Sperren also einfach nur auf Internet-Pornographie von und für Erwachsene ausdehnen oder werden Sie weitere Sperrtechniken einführen?</p>
<p><strong>vdL:</strong> Unser nächster Schritt wird sein, die DNS-Sperren auf weitere Bereiche auszudehnen. Hierzu gehören Pornographie, Regierungskritik, Sexualaufklärung, homosexuelle Propaganda, Killerspiele, Urheberrechtsverletzungen und alle Webseiten, die sich nicht einem Unbedenklichkeitsauditing unterziehen wollen, das mein Ministerium gerade vorbereitet. Danach werden wir die Sperrsysteme technisch weiter entwickeln. Nochmal: Es geht hier nicht um Zensur. Berechtigte Meinungen dürfen weiterhin geäußert werden, sofern sie Kinder nicht in ihrer seelischen Gesundheit behindern. Und wenn es um den Schutz der Kinder geht, lasse ich nicht mit mir reden. Es geht darum, dass das, was sowieso schon illegal ist und sich nicht mit unseren christlich-abendländischen Werten deckt, aus dem Internet entfernt wird. Ich möchte, dass alle Kinder sorgenlos im Internet spielen und recherchieren können.</p>
<p><strong>TDQ:</strong> Wie wollen Sie die Web-Sperren technisch weiterentwickeln?</p>
<p><strong>vdL:</strong> Sie müssen sich klar machen, wie diese schwerst Pädo- und Urheberkriminellen die Missbrauchsbilder und geklaute Werke durchs Internet schicken. Die werden in ganz kleine Stückchen aufgeteilt, an denen Sie meistens nicht einmal merken können, dass es sich um Bilder oder geklaute Filme handelt. Diese Stückchen werden dann auf unterschiedlichen Wegen durch das Internet verschickt. Das macht eine Inhaltskontrolle und eine Löschung besonders schwierig. Diese sogenannte &#8220;Paketvermittlung&#8221; wird aber von den Internetanbietern auch noch aktiv unterstützt. Ich finde, dass es in unserem Land nicht sein kann, dass Internetanbieter es Pädokriminellen so leicht machen. Wir arbeiten daher an einem Gesetzentwurf, der die Paketvermittlung unterbindet. Ich bin von den Anbietern sehr enttäuscht, dass diese nicht bereit waren, freiwillig Vereinbarungen zur Beendigung der Paketvermittlung mit uns zu treffen.</p>
<p><strong>TDQ:</strong> Basiert aber das Internet nicht ganz wesentlich auf der Paketvermittlung?</p>
<p><strong>vdL:</strong> Mein Ministerium hat hier eng mit US-Politikern zusammengearbeitet und wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die zeigt, dass das Internet komplett auf Leitungsvermittlung umgestellt werden kann. Das beschleunigt nicht nur legale Übertragungen, weil Ihnen Leitungen exklusiv zur Verfügung stehen, sondern macht es uns auch leichter, Verbrechen im Internet zu unterbinden. Außerdem schafft es, was besonders in Krisenzeiten wichtig ist, zahlreiche neue Arbeitsplätze in den Vermittelungsstellen. Das sind Arbeitsplätze, die besonders jungen, alleinerziehenden Müttern zu Gute kommen.</p>
<p><strong>TDQ:</strong> Und wie wollen Sie die Leitungen einzelnen Benutzern zuordnen können?</p>
<p><strong>vdL:</strong> Hier ist uns die Industrie weit entgegen gekommen. Schon heute haben alle Geräte, die sie an Computernetze anschließen können eine eigene, eindeutige Nummer. Leider ist es so, dass die Internetanbieter es den Pädo- und Urheberkriminellen leicht machen, da diese &#8220;Mac-Adresse&#8221; bei der Übertragung im Internet weggefiltert wird. Wir werden diese Filterung im neuen Gesetz unterbinden, sodass jede Übertragung im Internet, egal wo sie sich befinden, eindeutig Ihrem Computer zugeordnet werden kann. Wir werden hierzu das Internet-Protokoll ändern lassen. Zur Zeit betreiben die Internet-Anbieter ein verwirrendes Netz von verschiedenen Protokollen, das es den Pädo- und Urheberkriminellen leicht macht, ihre Machenschaften zu verstecken. Wir wollen aber auch im Internet die Bürokratie abbauen und werden daher in Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium diese Protokolle vereinfachen. Es wird, das klingt jetzt vielleicht etwas technisch, in Zukunft nur noch Ethernet und HTTP im Internet möglich sein. Die Adressen von Netzwerkkarten werden wir dann in einer Datenbank bei Europol registrieren lassen. Netzwerkfähige Geräte können Sie dann nur noch mit Ihrem Ausweis kaufen. Sie sehen: Der Schutz der Kinder ist mein oberstes Ziel.</p>
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		<title>Implikationen christlicher Todesideologie</title>
		<link>http://blog.denker.net/2009/05/27/implikationen-christlicher-todesideologie/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 23:39:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Christen]]></category>
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		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich wundere mich, dass mir nicht früher die bizarren I [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich wundere mich, dass mir nicht früher die bizarren Implikationen christlicher Todesideologie klar geworden sind. Eigentlich ist es es doch mehr als deutlich, was es bedeutet, davon auszugehen, ein Gott richte über jemanden nach dessen Tod, wäge dessen Leben ab und entscheide, ob er zum ewigen Leben gelange oder nicht. Die Seele selbst sei dabei unsterblich und so sehen sich wenigstens alle Gerechten am Ende der Welt zur rechten Gottes wieder und erfreuen sich an den Leiden der Verdammten.</p>
<p>Was wie  ein spleeniger Aberglaube daherkommt und von einigen naiven Neunmalklugen gerade noch als Phantasie zur Tröstung und zur Bewältigung von Todesangst daherkommt, erscheint mir nun, da ich eher aus Unachtsamkeit, denn aus ernsten Interesse auf diese christliche Todesideologie zurückgekommen bin, mit einem politischen Subtext, der zu nichts weniger als zur Rechtfertigung des Mordes geeignet ist:</p>
<p>Da der Mörder im Namen Jesu stets nur den Körper des Opfers auf unterschiedlich grausame Weise töten kann, seine Seele davon aber nach christlicher Lehre unsterblich, also unberührt bleibt, sodass nur Gott sich dieser Seele, was immer das nun genau sei, annehmen kann, ist das Risiko, einen unschuldigen Menschen zu töten oder einen religiösen Mord zu begehen, kein sonderlich großer Skandal mehr. Da Gott nämlich über die Seele das letzte Wort hat und die Erde sowieso ein Jammertal ist, beschleunigt man allenfalls den göttlichen Plan, was gewiss keine außerordentlich große Sünde ist. Aber nicht nur zur unmittelbaren Mordesrechtfertigung, die, zugegeben, schon etwas Akrobatik im Schädel erfordert, sondern auch bei der Rechtfertigung von Tötungen lässt sich die Tröstung der Todesangst ausschlachten.</p>
<p>Da nämlich Brüder im Glauben Menschen töten, ist man als Christ vielleicht geneigt, ein bisschen empört zu sein, aber es besteht kein sonderlich großer Handlungsbedarf: Sicher, der Tod mag unangenehm und ungerechtfertigt sein. Aber man muss sicher auch sehen, wie schwer es ist, dass Religion sich überhaupt einmal weiterentwickelt und also froh sein, dass nicht mehr ganz so viele Menschen wie früher getötet werden. Man kann dann den einen, oder den anderen Protestbrief schreiben und hoffen, dass der Vatikan sich in 300-400 Jahren vielleicht für ergangenes Unrecht entschuldigt. Dass sich die moralische Entrüstung unserer Menschenfreunde, trotz aller kritischen Anmerkungen, etwa bei Hexenprozessen in Grenzen hielt, ist hierfür ein trefflicher Beweis.</p>
<p>Der Tod ist nichts besonderes im Christentum, ist nicht sonderlich zu fürchten. Im Vertrauen auf Gott kann man ruhig sterben und in das neue, ewige Leben gehen (sofern man natürlich brav alle Dogmen geglaubt und alle Regeln eingehalten hat). Der Tod ist eine relativ unbedeutende Etappe.</p>
<p>Vielleicht ist dies der Grund, warum die Christen in den USA so vehement für die Todesstrafe sind?</p>
<p>Wer den Tod für ein verhältnismäßig harmloses Ereignis hält, ist nur noch beschränkt zur moralischen Entrüstung über den Tod in der Lage. Das Tötungsverbot reduziert sich auf einen Ungehorsam gegenüber Gott, dem man das Recht auf die Herrschaft über Leben und Tod bestritten hat. Aus Mord wird Insubordination und Verletzung der Herrschaft eines anderen. Der leibeigenschaftliche Subtext ist gewiss kein Zufall. Wer sich oder einen anderen tötet, begeht keine Sünde, weil er jemanden tötet, sondern weil er  sich die Rolle Gottes anmaßt. Nur Gott ist der Herr über Leben und Tod.</p>
<p>Geschickt, wer den Willen Gottes kennt und behände die göttlichen Tötungsabsichten, die dieser gewiss nur aus ökonomischen oder pflegmatischen Gründen nicht selbst vollzieht, plant und anderen aufträgt. Die mörderische Arbeitsteilung zwischen Kirche und Henker ist bekannt und historisch verbürgt.</p>
<p>In diesem Feld ist es unmöglich, ein Argument gegen den Mord zu finden. Schlimmer noch: Es lassen sich Argumente <em>für</em> den Mord finden. Das Christentum ist, solange es an ein Leben nach dem Tod glaubt, zu einer Ethik, die den Mord wahrhaft und konsequent ausschließt, nicht in der Lage.</p>
<p>Die Ethik aber, die wenigstens potentiell den Mord ausschließt (hierzu ist noch etwas mehr erforderlich), muss das Leben nach dem Tod verneinen. Sie muss das Leben vor dem Tod wertvoll machen, sie muss das Leben radikal bejahen, den Tod radikal verneinen. Sie muss das Leben in einem ganz materialistischen Sinne lieben können. Kurz: Eine solche Ethik muss die Tatsache akzeptieren können, dass unsere Existenz mit unserem Tod gänzlich endet und danach nichts mehr ist als die völlige Negation der Existenz. Nur eine Ethik, die angesichts dieses Endes leben <em>und</em> sterben kann, kann überhaupt eine sein, die ein Argument gegen den Mord gestattet. Ob sie dies dann leistet, ist freilich eine andere Frage.</p>
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		<title>Wege aus dem Wahnsinn</title>
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		<pubDate>Fri, 22 May 2009 17:30:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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		<description><![CDATA[Während meine Blogsoftware diesen Artikel automatisch  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Während meine Blogsoftware diesen Artikel automatisch veröffentlicht, sitze ich hoffentlich im Odenwald auf einer kleinen entspannten Grillfeier und vertilge entweder noch Fleisch oder schon Wasabi-Erbsen, die ich übrigens sehr empfehlen kann. Damit meine Leser, die wohl auf derartige Hülsenfruchtköstlichenkeiten verzichten müssen, nicht gänzlich darben müssen, gibt es hier eine kurze Handreichung, um sich selbst die ganze Lächerlichkeit fanatischer Religiosität klarzumachen:</p>
<p>Ich empfehle dazu harte Kost, nämlich die späte Religionsschrift Immanuel Kants &#8220;Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft&#8221;. Kant hatte diese 1793 (2. Auflage: 1794) veröffentlicht und mit erheblichen Zensurproblemen durch die preußische Regierung zu kämpfen. Vielleicht deshalb ist der Anfang der Schrift recht schwer und scheint zunächst nur das kantische Moralsystem, welches aus der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (GMS, 1785) bekannt war, auf die Religion umzusetzen. Natürlich knüpft Kant hieran an und erfindet das ethische Rad seines Systems nicht neu, aber während die GMS sich noch sehr rein um die systematische Anlage der Ethik (Wie ist so etwas wie ein kategorischer Imperativ überhaupt möglich?) dreht, kommt in der Religionsschrift der Widerstreit von Gut und Böse im Menschen stärker in den Blick. Zwar wird hier durchaus ein kantischer Boden bereitet, aber doch nur, um in den letzten Teilen so richtig vom Leder zu ziehen. Hier einige Kostproben: <em>(langsam lesen!)</em></p>
<blockquote><p>Die Überredung, Wirkungen der Gnade von denen der Natur (der Tugend) unterscheiden, oder die letztern wohl gar in sich hervorbringen zu können, ist <em>Schwärmerei</em>; denn wir können weder einen übersinnlichen Gegenstand in der Erfahrung irgend woran kennen, noch weniger auf ihn Einfluß haben, um ihn zu uns herabzuziehen, wenn gleich sich im Gemüt bisweilen aufs Moralische hinwirkende Bewegungen ereignen, die man sich nicht erklären kann, und von denen unsere Unwissenheit zu gestehen genötigt ist: »der Wind wehet, wohin er will, aber du weißt nicht, woher er kömmt u.s.w.« Himmlische Einflüsse in sich <em>wahrnehmen</em> zu wollen, ist eine Art Wahnsinn, in welchem wohl gar auch Methode sein kann (weil sich jene vermeinte innere Offenbarungen doch immer an moralische, mithin an Vernunftideen anschließen müssen), der aber immer doch eine der Religion nachteilige Selbsttäuschung bleibt. Zu glauben, daß es Gnadenwirkungen geben könne, und vielleicht zu Ergänzung der Unvollkommenheit unserer Tugendbestrebung auch geben müsse, ist alles, was wir davon sagen können; übrigens sind wir unvermögend, etwas in Ansehung ihrer Kennzeichen zu bestimmen, noch mehr aber, zur Hervorbringung derselben etwas zu tun. (Kant-W Bd. 8, S. 846)</p></blockquote>
<p>Dass Kant hier den Wahnsinn, der darin liegt, himmlische Einflüsse in sich wahrnehmen können zu glauben, als eine potentielle Methode ausweist, liegt darin, dass er der Vernunft und ihrer Macht noch vertraut, sodass auch derartige innere Offenbarungen sich an solche Vernunftideen anschließen müssen. Genau gelesen findet man aber, dass <em>eine der Religion nachteilige Selbsttäuschung</em> darin liege, was die Christen, die hier schon Blut und Galle spucken, noch daran erinnern soll, dass es Kant nicht darum geht, die Religion zu vernichten, sondern sie von den üblen Einflüssen des ungezügelten Herumdünkelns zu reinigen und vor diesen in Schutz zu nehmen. Aus heutiger Sicht, da das Zeitalter der Aufklärung in eine üble Barbarei geführt hatte, können wir ein solches Vertrauen weder gegen Vernunft, noch gegen Religion noch aufbringen und müssen, soviel ist klar, Kants Schrift als historischen Text lesen. Gleichwohl müssen wir zugeben, dass er noch heute eine Schlagkraft besitzt, die viele handzahme Religionskritiken vermissen, etwa wenn sie nicht den Mut besitzen, Religion in einem Atemzug mit Wahnsinn zu nennen:</p>
<blockquote><p>Der Wahn, durch religiöse Handlungen des Cultus etwas in Ansehung der Rechtfertigung vor Gott auszurichten, ist der religiöse <em>Aberglaube</em>; so wie der Wahn, dieses durch Bestrebung zu einem vermeintlichen Umgange mit Gott bewirken zu wollen, die religiöse <em>Schwärmerei</em>. – Es ist abergläubischer Wahn, durch Handlungen, die ein jeder Mensch tun kann, ohne daß er eben ein guter Mensch sein darf, Gott wohlgefällig werden zu wollen (z.B. durch Bekenntnis statutarischer Glaubenssätze, durch Beobachtung kirchlicher Observanz und Zucht u.d.g.). Er wird aber darum abergläubisch genannt, weil er sich bloße Naturmittel (nicht moralische) wählt, die zu dem, was nicht Natur ist (d.i. dem sittlich Guten), für sich schlechterdings nichts wirken können. (Kant-W Bd. 8, S. 846-847)</p></blockquote>
<p>Was im 18. Jahrhundert überaus klar war, klingt heute ein bisschen verklausuliert, bedeutet aber noch immer das gleiche: Davon, dass man in die Kirche rennt, irgendwelche Rituale oder Handlungen ausführt, fleissigst betet, beichtet, nasebohrt, ändert man nichts an seiner Rechtfertigung vor Gott &#8211; das kann schließlich auch ein abgrundtief böser Mensch tun. Das ist ein zentraler Punkt der kantischen Religionskritik: Der Gläubige kann seinen Gott nicht in Haft nehmen, ihm eine bestimmte Handlung zu vergelten. Hier findet sich die philosophische Grundierung meiner <a href="http://www.the-distraught-queen.de/2009/05/20/die-wahrheit-uber-die-nachstenliebe/" target="_blank">Wut über die Nächstenliebe</a>, die nämlich nichts anderes tut, als die Aufopferung für andere, die sie vordergründig fordert, durch die Idolatrie Armut, Sünde, Krankheit zu ersetzen, die sie &#8211; dialektisch wie eh und je &#8211; selbst hervorbringt.</p>
<p>Lesen wir genau, so finden wir einen schmalen Grad zwischen diesem Aberglauben, durch Handlungen seinen Gott zwingen zu können und dem Wahn selbst himmlische Einflüsse, also innere Offenbarungen in sich wahrzunehmen. Auf diesem Grad findet sich aber eigentlich nichts weiter, als das Bekenntnis, dass ein Gott wohl sein könnte, dass man es aber nicht wissen könne, dass man diesen nicht zwingen könne und dass jenseits dieses Grades Wahnsinn und Aberglauben liegen. Kant lässt daran keinen Zweifel:</p>
<blockquote><p>Der abergläubische Wahn, weil er ein an sich für manches Subjekt taugliches und diesem zugleich mögliches Mittel, wenigstens den Hindernissen einer Gott wohlgefälligen Gesinnung entgegen zu wirken, enthält, ist doch mit der Vernunft so fern verwandt, und nur zufälliger Weise dadurch, daß er das, was bloß Mittel sein kann, zum unmittelbar Gott wohlgefälligen Gegenstände macht, verwerflich; dagegen ist der schwärmerische Religionswahn der moralische Tod der Vernunft, ohne die doch gar keine Religion, als welche, wie alle Moralität überhaupt, auf Grundsätze gegründet werden muß, statt finden kann. (Kant-W Bd. 8, S. 847)</p></blockquote>
<p>Die Mittel/Zweck-Dialektik, die hier schwingt, bedarf, da aus dem Kontext gerissen, einer kurzen Erklärung: Kant ist streng, was die Rollen von Mittel und Zweck angeht. Zwecke (wie z.B. Menschen) sind Zwecke an sich und dürfen nicht zu bloßen Mitteln werden. Das ist die berühmte Zweck-Formel des kategorischen Imperativs. Andersherum darf man sich aber ein Mittel auch nicht zum Zweck machen, was geschieht, sobald man ein Mittel, Gott wohlgefällig zu sein, zum eigentlich Zweck (hier: &#8220;Gegenstand&#8221;) erhebt.</p>
<p>Der letzte Satz kündigt Kants scharfe Zunge an, die wir jetzt, wo über Zwecke, Mittel, Aberglauben und Wahn gesprochen wurde, erst beginnen, genießen zu können: &#8220;Religionswahn [ist] der moralische Tod der Vernunft&#8221;, mehr noch: Vernunft ist die Voraussetzung für Religion, da ohne sie gar keine solche &#8220;statt finden&#8221; kann. Ganz klar: Zuerst kommt die Vernunft, dann kommt die Moral und schließlich die Religion. Wer an dieser Reihenfolge etwas dreht, ist längst im Religionswahn angekommen.</p>
<p>Das bedeutet aber auch, dass sich die Religion immer der Prüfung durch die Vernunft stellen muss. Für Kant ist das kein Problem: Er vertraut der Vernunft und so muss die wahre Religion, wenn sie also von Gott ist, auch dieser Prüfung gegenüber bestehen können.</p>
<p>Wir müssen, ich schrieb es bereits, heute die Vernunft historisch betrachten und können nicht mehr einfach so der Vernunft alles zutrauen. Der evangelikale Schluss aber, die Prüfung durch die Vernunft aufzugeben, führt geradewegs in den völligen Religionswahn hinein. Der einzige Weg, der angesichts von kantischer Theorie und historischer Vernunftkritik heute noch zu einer Religion führen kann, ist ein so tiefer Zweifel an Vernunft und damit zwingend auch an Religion, dass Religion keinen Moment als dogmatisches System bestehen kann. Dass hierin, gerade für einfache Gemüter, der Absturz ins Gefühl droht, liegt auf der Hand. Das Gefühl ist jedoch wieder nur eine Schwärmerei: singend und tanzend mit einer Gitarre in der Hand auf dem Weg zum evangelischen Kirchentag das Böse verjagen, das einige Meter weiter im Zug nach Marburg sitzt und sich auf die Demo freut&#8230;</p>
<p>Erlauben wir uns nach soviel Mühe, die Religion an der scharfen Zunge des kantischen Geistes entlangzuführen, ein letztes Zitat; diesmal aber nicht philosophisch-formal, sondern materiell-resümierend, um auch den letzten Skeptiker von der Lesbarkeit, Güte und Schärfe dieser späten kantischen Religionsschrift zu überzeugen. Im Abschnitt &#8220;§3 Vom Pfaffentum als einem Regiment im Afterdienst des guten Prinzips&#8221; heißt es:</p>
<blockquote><p>Von einem tungusischen <em>Schaman</em>, bis zu dem Kirche und Staat zugleich regierenden europäischen <em>Prälaten</em>, oder (wollen wir statt der Häupter und Anführer nur auf die Glaubensanhänger nach ihrer eignen Vorstellungsart sehen) zwischen dem ganz sinnlichen <em>Wogulitzen</em>, der die Tatze von einem Bärenfell sich des Morgens auf sein Haupt legt, mit dem kurzen Gebet: »Schlag mich nicht tot!« bis zum sublimierten <em>Puritaner</em> und Independenten in <em>Connecticut</em> ist zwar ein mächtiger Abstand in der <em>Manier</em>, aber nicht im <em>Prinzip</em> zu glauben[.] (Kant-W Bd. 8, S. 848)</p></blockquote>
<p>&#8220;ein mächtiger Abstand in der Manier, aber nicht im Prinzip&#8221; &#8211; Freunde von mir werden bestätigen, dass dies meine liebste Stelle bei Kant ist, an der sich das scharfe Messer seiner Untersuchungen tief in den Blödsinn, den es zu überwinden gilt, hineinschneidet.</p>
<p>Dass das Prinzip des Glaubens bei evangelikalen Gesundbetern sich nicht vom Aberglauben, wie er oben beschrieben ist, unterscheidet, ist völlig klar. Dass aber deren Manier, also ihr Stil, schon ebenso offen zum Wahnsinn übergangen ist, sollte uns erschrecken. Wir können sicher nicht sagen, dass alle Christen geisteskrank sind. Dazu müssten wir schließlich alle untersuchen, aber wir müssen endlich zugeben, dass es Menschen in dieser Gesellschaft gibt, die ihren Wahn, der schon fern aller Realität ist, unter dem Deckmantel der Religion ausleben und die Grenze der Selbst- und Fremdgefährdung überschritten haben. Ich bin der Psychologie gegenüber skeptisch genug, um keine Zwangsbehandlungen oder Verbote zu fordern, aber aufmerksam beobachten und offen aussprechen müssen wir diesen Wahnsinn hingegen schon.</p>
<p>Kant aber zeigt uns, dass es lange vor Dawkins Autoren gab, denen die Gefährlichkeit von Religion klar war und die die Religion unter die Herrschaft der Vernunft gestellt sehen wollten. Kant verflucht nicht die Religion überhaupt, da hat es nach ihm anderen Autoren gegeben, aber er zeigt uns so viel darüber, dass wir mit seiner Hilfe und unserer historischen Erfahrung heute leicht einen Ausweg aus dem Gotteswahn finden können, wenn wir uns in ihm verstrickt haben. Ich hoffe, dass dieser Text für einige noch immer so wirkt.</p>
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		<title>Enttäuschte Liebe?</title>
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		<pubDate>Fri, 22 May 2009 09:20:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Phaidros</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der FR können wir zur Demo gegen den Homo-Heiler-Ko [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der FR können wir zur Demo gegen den Homo-Heiler-Kongress in Marburg folgendes <a href="http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/1766345_Protest-gegen-Homo-Heiler.html" target="_blank">lesen</a>:</p>
<blockquote><p>Der Vorsitzende der ausrichtenden Akademie, Martin Grabe, kann die massive Kritik nicht verstehen. Bei der Kongresseröffnung am Mittwochabend sprach er von einer &#8220;Großkampagne, die nahezu ohne realen Aufhänger&#8221; gestartet worden sei. Homosexualität werde während des Kongresses höchstens am Rande thematisiert. Der Akademie gehe es &#8220;wie einer Insel im Frühjahrssturm&#8221;. Er rief die 1000 Kongressteilnehmer dazu auf, für die Demonstranten zu beten: &#8220;Hinter Hass steht immer eine enttäuschte Liebe.&#8221;</p></blockquote>
<p>Daran sind zwei Sachen interessant:</p>
<ol>
<li>Die Christen haben schon wieder gelogen: Erst erzählen sie uns wochenlang, dass Homosexualität auf ihrem Kongress kein Thema sei und jetzt wird es &#8220;höchstens am Rande thematisiert&#8221;. Zwischen &#8220;gar nicht&#8221; und &#8220;marginal&#8221; besteht aber ein deutlicher Unterschied, den auch ein Theologe kennen sollte, so er ernsthaft behaupten können will, eine Wissenschaft zu betreiben. Dass es ein zynischer Witz ist, über Identität, nicht aber über Homosexualität sprechen zu wollen, ist jedem redlich denkenden Menschen ohnedies klar. Dass die Teilnehmer des Kongresses zu einem erheblichen Teil schlicht unredlich sind, allerdings auch.</li>
<li>Es steckt ein ganz erheblicher Teil Realitätsverlust in Sätzen wie &#8220;Hinter Hass steht immer eine enttäuschte Liebe.&#8221; Dazu erkläre ich:</li>
</ol>
<blockquote><p>Nein, wir hassen Euch nicht. Uns geht der Hass auf Christen vollkommen ab: Ob Ihr gesund oder krank seid, ob ihr Freude habt oder leidet, ob ihr tanzt oder bettnässt, ob Ihr lange lebt oder früh in der Kiste vergammelt, ist uns vollkommen egal. Ihr seid uns vollkommen egal. Das einzige, was uns interessiert, ist, dass man Euch daran hindert, zu tun, was Ihr nämlich tut, wenn man Euch nicht hindert: Frisbee mit den Psychen anderer Leute zu spielen, ihnen systematisch metaphysischen Blödsinn vorzulügen, ihre Ängste und Nöte zu missbrauchen, ihnen Schuldgefühle und Selbsthass einzureden, sie schließlich in den Selbstmord zu treiben. Das ist schon alles.</p>
<p>Die einzigen von uns, die sich mit einer enttäuschten Liebe auseinandersetzen müssen, seid dagegen Ihr: Ihr könnt es einfach nicht verknusen, dass wir Euch Eure Rede von der Liebe Gottes nach 2000 Jahren Mord und Totschlag, der sich auch gegen uns gerichtet hat, einfach nicht mehr glauben. Ihr habt unsere Liebe Jahrtausende lang verfolgt, zerstört und uns an Leib und Seele vernichtet. Ihr habt uns zu Eurem moralischen Vergnügen gequält und unseren Tod als den Willen Eures Gottes verkündet. Und da sollen wir Euch auch nur noch ein Wort glauben, da Eure Taten doch Eure angebliche Läuterung täglich Lügen strafen? Das ist die Wahrheit: Wir lehnen Euch und Euren Gott ab, weil Ihr die Kinder von Mördern seid, die deren Schrecken nur mühsam verborgen weitertreiben. Das ist kein Hass, das ist Notwehr: Ihr seid diejenigen, die pathologisch Hass mit Liebe verwechseln. Und dafür und nur dafür hasst man Euch.</p></blockquote>
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